Wenn der Druck schweigt und die Temperatur spricht — Eine Geschichte aus einem realen Wassernetz

Jani Jordan · Gründer, AQ Link GmbH · IWA-Mitglied
Veröffentlicht am 16. April 2025

Theoretisch gehört die Leckageortung mittels Drucküberwachung zu den grundlegendsten und effektivsten Methoden. In der Praxis jedoch – insbesondere unter realen Bedingungen im Feld – sieht die Sache völlig anders aus.

AQ WEB Portal zeigt Diagramme für Durchfluss, Druck und Temperatur an einer DN100-Wasserleitung mit einem sichtbaren Leckageereignis

Der Überwachungsaufbau

Mit unseren AQ Flow-Geräten sind wir in über 3.000 Systemen in ganz Europa bei 150 verschiedenen Kunden im Einsatz. Doch dies ist keine Geschichte über Zahlen. Es ist die Geschichte eines einzelnen DN100-Abschnitts, in dem ein einfacher Sensor etwas Großes enthüllte.

Konfiguration der Überwachung

  • Gerät: AQ Flow Hybridsensor — misst Durchfluss, Druck und Temperatur gleichzeitig
  • Standort: DN100 Freispiegelleitung, ohne Druckerhöhungsstation
  • Installation: Unter Druck in weniger als 30 Minuten, vollständige Schachtinstallation in 4 Stunden
  • Datenintervall: Alle 15 Minuten — ermöglicht eine Batterielaufzeit von über 6 Jahren
  • Datenerfassung: Erfasst jeden Impuls — selbst bei seltener Datenspeicherung bleibt das Muster vollständig erhalten

Das Ereignis: Durchfluss steigt um das 5-fache, Druck verändert sich kaum

AQ WEB Diagramm zeigt einen Durchflussanstieg von 2 Litern pro Sekunde auf über 10 Liter pro Sekunde zwischen dem 7. und 8. Januar 2025 an einer DN100-Rohrleitung

Zwischen dem 7. und 8. Januar 2025 stieg der Durchfluss vom Durchschnittswert von ca. 2 l/s auf über 10 l/s an und verblieb dort fast 24 Stunden lang.

Parameter Vor dem Ereignis Während des Ereignisses Erkennung?
Durchfluss ~2 l/s >10 l/s ✅ Deutliche Spitze
Druck Normal Abfall um ~0.5 bar ❌ Kein Alarm ausgelöst
Temperatur Natürliche Schwankungen Konstant — keine Abweichung ✅ Thermische Signatur erkannt
Der Druck fiel leicht ab (~0,5 bar), löste jedoch keinen Alarm aus. Die Temperatur blieb unverändert – und das ist der interessanteste Teil.

Warum? Weil eine Temperaturveränderung theoretisch einer der schnellsten Indikatoren für kontinuierlichen Durchfluss ist. Das Wasser erwärmte oder kühlte sich nicht ab, da es ständig erneuert wurde. Nach Ende des Ereignisses kehrte die Temperatur zu ihren natürlichen Schwankungen zurück.

Reicht der Druck wirklich aus?

Obwohl das Ereignis erheblich war, erholte sich der Druck in diesem Freispiegelsystem immer wieder schnell, was die Erkennung eines klassischen Druckabfalls unmöglich machte. Theoretisch hätten wir Mikroschwankungen erfasst, wenn wir jede Sekunde Daten aufgezeichnet hätten – aber:

❌ Nur Drucküberwachung

In Freispiegelsystemen erholt sich der Druck schnell. Ein Abfall von 0,5 bar löst möglicherweise keinen Alarm aus. Eine höhere Abtastrate belastet die Batterien stark. Ereignisse, die Stunden dauern, können übersehen werden.

✅ Temperatur als Leckageindikator

Wenn Wasser kontinuierlich fließt (Leck), bleibt die Temperatur konstant, anstatt die natürlichen nächtlichen Schwankungen zu zeigen. Diese „thermische Signatur“ ist in Freispiegelnetzen oft zuverlässiger als der Druck.

Die Wissenschaft: Thermische Signaturen bei der Leckageortung

Wie es funktioniert

In Systemen ohne Verbrauch stabilisiert sich die Wassertemperatur über Nacht basierend auf den Umgebungsbedingungen. Liegt ein Leck oder eine verdeckte Entnahme vor, erneuert sich das Wasser ständig – und die Temperatur bleibt unverändert. Diese „thermische Signatur“ ist oft zuverlässiger als der Druck, insbesondere in Freispiegelnetzen.

Temperaturdiagramm zeigt eine flache thermische Signatur während des Leckageereignisses im Vergleich zu natürlichen Temperaturschwankungen vor und nach dem Ereignis
Bei Speicherintervallen von 15 Minuten bleibt der Durchfluss der wichtigste Parameter – aber die Temperatur verrät uns oft mehr als der Druck.

AQ Flow: Ein realistischer Kompromiss

Die präziseste Leckerkennung ist natürlich durch eine Kombination aus Zonenmessung, hochwertigen Schächten, Armaturen und geschlossenen Systemen möglich. Das ist jedoch kostspielig, aufwendig zu installieren und im Feld oft schwer umzusetzen.

AQ Flow bietet als Hybridsensor einen realistischen Kompromiss zwischen Langlebigkeit, Nutzbarkeit der Daten und Installationskosten – er misst Durchfluss, Druck und Temperatur an einem einzigen Punkt, ohne dass die Rohrleitung abgesperrt werden muss.

Funktion AQ Flow Hybridsensor
Gemessene Parameter Durchfluss + Druck + Temperatur
Installation <30 Min. unter Druck, ohne Unterbrechung
Vollständiges Schacht-Setup 4 Stunden
Datenintervall Alle 15 Minuten
Batterielaufzeit 6+ Jahre
Konnektivität NB-IoT / LTE / 4G

Häufig gestellte Fragen

Kann die Wassertemperatur Lecks erkennen, die die Drucküberwachung übersieht?
Ja. In Freispiegelsystemen erholt sich der Druck nach einem Leckageereignis oft schnell wieder, was die klassische Druckabfallerkennung unzuverlässig macht. Die Temperaturüberwachung zeigt eine „thermische Signatur“ – wenn Wasser aufgrund eines Lecks kontinuierlich fließt, bleibt es auf einer konstanten Temperatur, anstatt die natürlichen nächtlichen Schwankungen zu zeigen.
Was ist der AQ Flow Hybridsensor?
Der AQ Flow ist ein Hybridsensor, der Durchfluss, Druck und Temperatur gleichzeitig an einem einzigen Installationspunkt misst. Er kann ohne Unterbrechung der Rohrleitung in weniger als 30 Minuten installiert werden; die vollständige Schachtinstallation dauert etwa 4 Stunden.
Warum erhöht man nicht einfach die Abtastfrequenz?
Eine höhere Abtastfrequenz würde die Batterielaufzeit drastisch verkürzen, erfordert mehr Datenübertragungen und ist ohne Stromanschluss oder starke Netzabdeckung nicht durchführbar. Bei 15-Minuten-Intervallen bleibt der Durchfluss der primäre Indikator, aber die Temperatur verrät oft mehr als der Druck.
Was ist eine thermische Signatur bei der Leckageortung im Wassernetz?
In Systemen ohne Verbrauch stabilisiert sich die Wassertemperatur über Nacht entsprechend den Umgebungsbedingungen. Liegt ein Leck vor, erneuert sich das Wasser ständig und die Temperatur bleibt konstant, anstatt zu schwanken. Dieses unveränderliche Muster ist die „thermische Signatur“ eines Lecks.

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